In memoriam

Wenn ein/e Angehörige/r stirbt, ist die Bestattung Ihrer Wahl diejenige, die sich um die komplizierten Abläufe kümmert. Jener Teil, der mit der Verabschiedung zu tun hat, das Begräbnis, wird nach wie vor von Priester geleitet.

Damit das Begräbnis eine gute Möglichkeit für den Abschied werden kann, ist es ratsam sich mit dem Begräbnisvorsteher zuvor zu treffen. Die Bestattung informiert unsere Pfarre über den Todesfall Ihres/r Angehörigen, wir geben der Bestattung schließlich Bescheid, ob einer unserer Seelsorger an dem betreffenden Termin vorstehen kann. Auf diese Weise kommt der Kontakt zwischen Ihnen und dem Begräbnisleiter zustande.

Vor der Besprechung zum Begräbnis ist es sehr hilfreich, wenn Sie einen kurzen Lebenslauf des/der Verstorbenen anfertigen.

2019


✞ Monika Müller

Wir haben am 9. August von ihr Abschied genommen..


✞ Antonia Stoffel

Antonia Stoffel, von uns auch liebevoll „Toni“ genannt, wurde am 30. September 1928 als 10. von 14 Kindern der Familie Konrad Stoffel und Marie, geborene Studer, in Visperterminen geboren. Inmitten der Grossfamilie verbrachte sie ihre Kindheit.

Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte Antonia in Sitten bei einer Gastfamilie einen Sprachaufenthalt. Zur Unterstützung der Grossfamilie arbeitete sie anschliessend in verschiedenen Familien in Ems, Glis und im Saastal als Haushaltshilfe.

Später kehrte Antonia nach Visperterminen ins Elternhaus zurück, wo sie ihre Eltern pflegte und den Haushalt führte. Nebenbei betrieben Antonia und ihre Schwester Bernadette eine kleine Landwirtschaft.

Antonia liebte es, in Oberstalden zu sein. Dort traf man sie oft im Garten oder bei sonstigen Arbeiten in der Landwirtschaft. Dieser Ort und diese Arbeiten machten ihr viel Freude. Darum war sie auch oft auf der Wegstrecke zwischen Visperterminen und Oberstalden an zu treffen mit seinen flinken Schritten. Aber immer mit einem kurzen Halt bei der Antonius Kapelle im „Blatt“ wo der Weg vorbei führt.

Bei zunehmendem Alter machten sich bei Antonia Altersbeschwerden bemerkbar. Dadurch konnte sie die geliebten Oberstalden nicht mehr besuchen, was sie am Anfang sehr vermisste und bedauerte. Aber Dank der Pflege ihrer Schwester Bernadette konnte sie noch bis Februar 2018 zu Hause bleiben. Nach einem Sturz zog sich Antonia einen Oberschenkelhalsbruch zu und verbrachte ihren Lebensabend daraufhin im Alters- und Pflegeheim Hengert, wo sie liebevoll umsorgt wurde.

So ruhig, still und bescheiden ihr Leben war, ist sie in der Nacht auf Sonntag friedlich eingeschlafen.

Ruhe in Frieden Liebe „Gotta Toni“


✞ Trudy Studer-Stoffel

Trudy ist am 12. März 1939 in Visperterminen geboren. Ze Trogu verbrachte sie ihre Kindheit als Einzelkind, mit Mutter Ludwina und Grossvater Peter-Marie Heinzmann. Ihr älterer Bruder starb bei der Geburt / und ihr Vater Lukas Stoffel als sie 2 Monate alt war. Wenn Trudy von früher erzählte, waren es die Aufenthalte in den geliebten Weilern:
In den Bodmen, Niwen, Chlei Derfji gingen sie oft «Z’abusitz». Gerne erzählte sie auch, dass sie als junges Mädchen zusammen mit ihren Kolleginnen, zu der Musik, die vom Feldtanz in den Bodmen in den Wald getragen wurde, getanzt haben / und dadurch die Sonntagsandacht verpasst hatten…

Direkt nach der Schule hat sie der Mutter und ihrem Grossvater bei der kleinen Land­wirtschaft geholfen.

Trudy und Alex Studer heirateten am 4. Juli 1965. Sie war glücklich, dass sie 4 Kindern: Rafaela, Karin, Carmen und Roland das Leben schenken durfte. Sie nahm das Geschenk an und pflegte es ihr ganzes Leben.

Wir sind dankbar um die vielen Jahre die wir als Kinder und Ehemann in ihrem Zuhause ein und ausgehen durften. Während die 4 Kinder erwachsen wurden, blieb noch viel Zeit für Trudy und Alex zum Wandern und um kleine Reisen zu unternehmen. Viele Sommer genossen sie in den Niwen und Bodmen. Auch über die Dorfgrenze wagten sie sich und flogen 3 mal nach Irland wo sie Rafaela, Helmut und Tobias’ besuchten. Trudy war sehr stolz darauf und beide genossen die grüne Insel sehr.

Dankbar konnten Trudy und Alex im Juli 2015 ihre Goldene Hochzeit feiern, wo wir alle mit dem «Golden Express» von Montreux nach Gstaad fuhren.

Auch an ihren 5 Enkelkindern hatte Trudy ihre Freude und hat sie gerne gehütet und für sie fein gekocht. Neben all der Fürsorge für uns und Alex hat sie 40 Jahre im Gemischten Chor gesungen. In diesem lustigen, wunderschön klingenden Verein verbrachte sie viele schöne Stunden. 

Im Januar 2019 hat sich Trudy einer Operation unterziehen müssen. Die Genesung war erfreulich und wir waren guter Hoffnung. Leider hat sich die Prognose in den letzten Wochen verändert und doch haben wir auf Besserung gehofft.

Am Freitag in den frühen morgenstunden ist Trudy Zuhause an einem Herzversagen gestorben.

Mit ihrer aufgeschlossenen und offenen Art wird Trudy nicht nur ihrer Familie in liebevoller Errinnerung bleiben.

Sie hatte ein schönes Leben / und alles was wir / oder ihr Trudy noch sagen wolltet, erreicht sie sicher Irgendwo.


✞ Florentina Burgener-Zimmermann ist am 1. Februar 1931 im Weiler Niederhäusern in Visperterminen geboren. Ihre Eltern waren Peter und Marie Zimmermann. Die Eltern hatten 9 Kinder – 1 Kind war im Kindesalter verstorben. Die Kinder mussten bereits früh im Haushalt und in der Landwirtschaft kräftig mithelfen. Die Schul- und Jugendjahre verbrachte Florentina mit ihren Geschwistern in Niederhäusern.

Am 15. April 1954 heiratete Florentina Robert Burgener, Sohn des Alois Burgener und der Viktorin geb. Rufener. In den folgenden Jahren wurden sie stolze Eltern von 7 Kindern nämlich Gabriel, Lilian, Pia, Bernarda, Romano, Egon und Marilyn.

Ihr Hobby waren die Handarbeiten wie Teppiche knüpfen, Kissen sticken, Strümpfe stricken, die sie mit vollem Stolz weiter verschenkte. Auch Musik und Singen waren Florentina immer wichtig. Blumen liebte sie über alles – damit konnte man ihr immer eine grosse Freude bereiten.

Zusammen mit ihrem Ehemann Robert unternahm sie viele schöne Reisen. Insbesondere die Reise nach Jerusalem ins Heilige Land und zweimal die Wallfahrt nach Lourdes waren für sie unvergesslich.

Als Familie erlebten sie schöne Zeiten in Visperterminen. Nebenbei betrieben sie eine kleine Landwirtschaft und lebten je nach Jahreszeit auch im Weiler Unterstalden.

Von Schicksalsschlägen blieb die Ehe leider nicht verschont. Ihr Ehemann Robert verstarb 1998 nach kurzer Krankheit im Alter von 76 Jahren. Ein Jahr später verstarb ihr Sohn Egon im Alter von 33 Jahren. Nach dem Tod von ihrem Ehemann und ihrem Sohn Egon zog sich Florentina immer mehr von der Gesellschaft zurück. Schön war zu sehen, wie viele Bekannte Zeit fanden und Florentina in dieser schweren Zeit zu Hause besuchten für ein Gespräch oder um zusammen ein Café zu trinken. Dafür sind wir sehr dankbar.

Im Jahre 2011 bemerkte man, anfangs schleichend, eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses. Mit dem alltäglichen Leben kam Florentina nicht mehr alleine zurecht. Sie brauchte immer mehr Hilfe. Sie veränderte sich.

Im 2012 machte ihr Gesundheitszustand eine Spitaleinlieferung nötig. Die Ärzte diagnostizierten, die schreckliche Wahrheit, dass Florentina an beginnender Demenz leide. Die Krankheit des Vergessens. Für die Familie bedeutete dies eine schwere Zeit, aber auch endlich Klarheit warum sich Florentina so verändert hatte.

Im November 2012 musste Florentina Burgener den Weg ins Altersheim antreten. Dort wurde sie vom Pflegepersonal liebevoll gepflegt. Die Lebenskraft wich mit fortschreitender Demenz zunehmend vor ihr. Florentina hatte aber Zeitlebens immer einen grossen Lebensmut gezeigt. Grosse Freude hattet sie auch an Theaterspielen und am Singen. Bei Familienanlässen trat Florentina vielmals zusammen mit ihrem Ehemann Robert als Duo auf. Robert mit der Mundharmonika und Florentina als Sängerin.

Bei Anlässen pflegte sie noch bis ins hohe Alter mit grossem Stolz das Eggerberger-Lied zu singen, welche sie als Terbiner-Lied umtaufte.

Terbinerlied:

Wier Vispertärbinerlit si luschtigi Lit, Wier singeund jodle und jütze derbi

Was andri Lit deichund das kümmrud isch nit

Wenns numu im Himmil öü al Tärbinu git.


✞ Konrad Zimmermann (30. Januar 2019)

Ds Felixjisch Kundri ischt am 14. Juli 1931 hie z Tärbinu als eis va 10 Chind giboru.

D Famili ischt uberz ganz Jaar vane Undrustalu ini Bitzine ins Dorf , uf Brunnu und nit zletscht ins flott Roorli giziglot. Da hensch irosch eigund DIaläkt entwicklot. Aso hets de gheissu Majänta Majone Majupa Maiis und gschpillt hentsch uf der Hangolupia.

Ds Dachdeckerhandwärch mit Steiplatte het är mit schinum Vatter Felix gleert. Speter het är mit dum Erwin Burgener as chleis Dachdeckergschäft gfiert.

Na dum Tod vam Erwin ischt er a hüfo Jaar Schreiner und Handwärcher iner Schreineri Chriizer gsi.

Im Mai vor 60 Jar hent är und z Marie Gottsponer gheiratu. No 4 andri Paarlini hent an dem Tag Hochziit gfirot.

Schi hent  5 Chind zLäbe gscheicht: der Anneliese, dum Franzisko, der Stefanie, dum Rafael und dum Adolar.

Mit dum Marie het är gipürot und d Räbe biwirtschaftot. Ohni Faarzig sind schi mit irosch Familie va Ort bis an Änd gluffu.

A hüfo Mal hentsch mit de Enkilchind zämu Maggaronuchoch und Chuchisuppa gässu.

Ds Kudri ischt im Männerchor gsi und het der gmischt Chor mitgigründot. Da ischt er öi Presidänt gsi. 37 Jaar heder im Tambor und Pfifervei gwirkt, daderva 12 Jaar als Tambormajor. Iner Müsiggsellschaft Gibidumalp ischt är Ehrumitglied gsi.

Theater spilu ischt eine va schine Liduschaftu gsi. Är het gäru dramatischi Rolle ubernu.

Mit schinum  giotu Kolleg Ulschi ischer  a hüfo Mal unnerwägs gsi. 

Im Mai 2009 hentsch mit duma flottu Fäscht zämu mit 3 andre Paar goldigi Hochziit iner Turnhalla gfirot.

D Familifäschti sind immu immer wichtig gsi. Bivor dass wer de gwentli si heimgangu hent alli immer gschpannt uf schini Red gwartet und as Lied mitenand het öi nit tärfu feelu.

Schis Talänt als Schauspiler het är mit dum Afang va schiner Chrankheit Demänz biwisu. Niemu, hei wer eppis gmerkt.  Ds Kundri und zMarie hent schich super ergänzt. Erscht wad Mioter erchranket ischt und inu Spital het miesu, hei wer gmerkt, dass nimme geit.

Im Dezember 2016 sind schi uf Ried Brig ins Alters und Pflegeheime Santa Rita giziglot. Da ischt är mit dum Mari glücklich gsi.

Kundri: Wier hei dich gschetzt als humorvolle, flotte und liebevolle Mänsch.

«Zieh in die Welt , die Welt ist schön und wunderbar» ischt eis fa dine Lieblingslieder gsi. Dü bischt öi witergizogu und wier näme dis Lied mit isch.


✞ Diego Studer (14. Januar 2019)


Emma Zimmermann (19. Dezember 2018)

Emma Zimmermann-Burgener wurde am 12. Juli 1925 als 8. Kind von 10 Geschwistern der Familie Alois und Viktoria Burgener-Ruffiner in Visperterminen geboren.

Nach der obligatorischen Schulzeit arbeitete Sie in den saisonalen Zeiten in Hotels von Zermatt und Saas-Fee.

Am 7. Mai 1953 heiratete Sie Augustin Zimmermann. Aus dieser Ehe entsprossen vier Kinder: Angelo, Alexa, Hermes und Renato. Für die Familie war Sie eine fürsorgliche und hilfsbereite Mutter. Mit ihrem Gatten  Augustin und den vier Kindern betrieb sie eine kleine Landwirtschaft. Sie liebte es sehr, in der freien Natur zu arbeiten. Besonders Freude hatte Sie immer an den Reben.

Am 15. August 1970 bekam sie die traurige Nachricht, dass ihr Gatte Augustin durch tragische Weise im blühenden Alter von 44 Jahren ums Leben gekommen ist und zwei Monate später verlor sie auch noch ihre Mutter. Nun folgten wohl die schwersten Jahre ihres Lebens. Mit vier unmündigen Kindern hiess es von einem Tag auf den anderen, alles selber in die Hand zu nehmen. Die Familie, Landwirtschaft und die Reben erforderten von ihr sehr viel Kraft und Zuversicht.

Beklagt hat sie sich selten oder nie. Es gab wohl nicht viel, was sie nicht selber anpackte. So riss sie auch ab und zu eine kaputte Mauer nieder, und wollte ihr der Wiederaufbau auf Anhieb nicht gelingen, hörte man von ihr „oh das pärwei, das probieri jetz nut grat“.

Viel Zeit verbrachte Sie mit Stricken von Strümpfen und „Kirlihändstess“, von denen sie sicher mehr als 100 Paar angefertigt hat. Sie liebte die Geselligkeit, sei es beim Jassen oder bei einem kleinen Schwatz auf ihrem Balkon oder im Dorf. Viel Freude und Spass hatte sie mit ihren 7 Enkelkindern und dem Urenkel Noé. Auch für kulturelle Vereine hatte sie sich engagiert, sei es im Trachtenverein, Kulturpark und als Ehrenmitglied des gemischten Chores. Sie war eine arbeitssame, gläubige Frau, und der tägliche Gang zur

hl. Messe durfte bei ihr nicht fehlen.

Am 15. März 2015 kam für sie nochmals eine Schreckensnachricht. Ihr Sohn Hermes wurde in der Lonza Visp durch einen tragischen Arbeitsunfall aus dem Leben gerissen.

Am 19. September 2016 war sie in der Krypta, um Abschied zu nehmen von ihrer Jasskollegin Brigitta Heinzmann, als sie plötzlich nach einem Hirnschlag in den Spital Visp eingeliefert werden musste. Leider konnte sie sich nicht mehr erholen und musste pflegebedürftigt ins Alters- und Pflegeheim Hengert, wo sie sich geborgen und zufrieden fühlte.

Mit Entsetzen spürte sie, wie ihr das Sprechen überhaupt nicht mehr gelingt. Sie versuchte dass, was sie ausdrücken wollte nun wenigstens auf ein Blatt Papier zu schreiben. Dabei musste sie erleben, dass auch dies nicht mehr möglich war.

Missglückte oder abgebrochene Kommunikationsversuche verlangten von beiden Seiten enorm viel Kraft.

Diese Kraft ging leider nun zu Ende und so konnte sie am  19. Dezember 2018 im Alters- und Pflegeheim friedlich einschlafen.

Einen herzlichen Dank gebührt hiermit dem Pflegepersonal des Alters- und Pflegeheims Hengert, sowie dem Dorfarzt Peter Josef Studer und allen, die Emma liebevoll besorgt und betreut haben.

Einen aufrichtigen Dank geht auch an alle, die sie im Heim besucht haben.

Ihr Händedruck und Lächeln werden uns in guter Erinnerung bleiben.

Weder Raum noch Zeit können wir in unseren Händen festhalten. Wenn man fort geht, weiss man nie, ob man wieder nach Hause kommt. Hätte Emma leben können, ohne die Geborgenheit in Gott? Er war der Felsgrund auf dem ihr Leben mit seinen Bestimmungen und Aufgaben gebaut war. Immerzu hat der Wille Gottes sie getragen, ja er war ihre Freude, Hoffnung und Zuversicht, in allen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten. Sein Wille hat sie gestützt und gestärkt, auch in den schwersten Stunden ihres Lebens.

Möge Emma mit ihrer Kraft und Stärke für uns immer in guter Erinnerung bleiben.


Heidi Heinzmann-Vetter (15. Dezember 2018)

Liebe Heidi

Am 15. März 1941 hast Du die Welt mit Deiner Ankunft überrascht. Im Verlaufe Deines Lebens hast Du selber immer wieder Überraschungen erlebt. Du warst oft auch die Auslöserin für Überraschungen. Einige davon möchte ich jetzt, im Andenken an Dich, preisgeben.

 Überraschend für Dich war bestimmt, dass Du mit Deiner Familie mit Deinen beiden Geschwistern, anders aufgewachsen bist, als es die meisten Kinder tun. Als Tochter eines Zollbeamten war es Dir und Deiner Familie verwehrt, jeweils länger als ein paar Jahre an ein und demselben Ort zu wohnen. So hast Du in Deiner Kindheit ein Nomadenleben in der Grenzregion der Nordwestschweiz rund um Basel gelebt. Du hast überraschend bereits in Deiner Kindheit Deinen Vater verloren, was sehr traurig war.

Am Ende Deiner Schulzeit hat Dich Deine Lehrerin damit überrascht, dass sie Dich bei der Berufswahl sehr stark unterstützt hat. Diese Lehrerin hat veranlasst, dass Du ein Jahr lang in Frankreich in einem Kloster eine Art Au Pair Aufenthalt machen durftest. Anschliessend hat sie Dir dabei geholfen, Deine Ausbildung im Lehrerseminar fortzusetzen.

Als frisch gebackene Primarlehrerin hast Du dann in Rheinfelden während vier Jahren Deine Schülerinnen und Schüler mit Deiner kreativen, feinfühligen, geduldigen und hilfsbereiten Art überrascht.

Überrascht hast Du dann in dieser Zeit auch einen jungen Mann namens Heinrich kennen gelernt. Er stammt aus einem Dorf in den Bergen, von dem Du noch nie vorher etwas gehört hattest, selbst wenn Du in der Schule gut aufgepasst hättest. Heinrich wurde zum Fels in Deinem Leben.

Auch Heinrich war ein Nomade. Ein alpiner Nomade. In seiner Kindheit ist er aber nicht wie Du, von Dorf zu Dorf gezogen. Er ist in Visperterminen von Weiler zu Weiler gezogen. Ihr beide hattet das Nomadenleben satt und habt Euch nach Eurer Hochzeit im Jahr 1965 in Brig-Glis niedergelassen, wo ihr – was für eine Überraschung – vielleicht gerade wegen Eurer Nomadenwurzeln - ein ausgesprochen sesshaftes Leben geführt habt.

Nach der Hochzeit durfte ich Dich mit meiner Ankunft überraschen. Ich durfte dank Dir eine glückliche Kindheit geniessen. Du hattest Dir damals eine grosse, kinderreiche Familie gewünscht. Das blieb Dir überraschenderweise leider verwehrt. Dadurch, dass wir nun also nur eine kleine Familie waren, hattest Du mehr Zeit. Diese hast Du damit ausgefüllt, dass Du viele Menschen mit Deinem sozialen und pädagogischen Engagement überraschen konntest.

Du hast Dich heilpädagogisch weitergebildet und hast vielen lernbehinderten und behinderten Kindern geholfen.

Du hast Akim, einen Buben aus der Banlieue von Paris, beherbergt, der für mich wie ein Bruder geworden ist.

Du hast Flüchtlingen und Flüchtlingsfamilien aus Vietnam dabei geholfen, sich im Wallis zu integrieren.

Immer wieder haben sich Menschen an Dich gewandt, die aus fernen Ländern kommen. Ihnen hast Du Deutsch beigebracht, damit sie sich bei uns besser durchschlagen können. So ist bei Dir zu Hause - was für eine Überraschung - trotz Deiner Sesshaftigkeit, ein grosses Stück Welt ein- und ausgegangen.

Mit Deiner Hilfsbereitschaft und Deinem Engagement hast Du immer wieder sehr viele Menschen überrascht.

Mich hast Du in meiner Kindheit und auch später immer wieder mit Deinen Kenntnissen in Kräuterkunde überrascht. Wenn wir zusammen in der Natur unterwegs waren, hast Du meist irgendwelche essbaren Kräutchen, Heiltees, Wildgemüse oder Pilze mit nach Hause geschleppt. Du warst in dieser Beziehung auch sehr mutig: Beeren, die Du nicht 100prozentig gekannt hast, hast Du einfach in kleinen Mengen gegessen um herauszufinden, ob sie Bauchweh machen oder nicht. Zum Glück hast Du mir dieses System erst gezeigt, als ich bereits nicht mehr in den Kinderschuhen steckte. Ich habe das System aber – auch ehrlich gesagt - nicht übernommen. Dazu bin ich zu feige.

Fürs Leben gern hast Du in Chören gesungen. Ich kann gar nicht aufzählen, wo Du überall mitgesungen hast. Am längsten warst Du im Kirchenchor von Glis aktiv. Selbst jetzt warst Du immer noch in einem Chor: im Seniorenchor von Naters.

Vor 22 Jahren hat Dich die Ankunft Deiner drei Enkel in Basel überrascht. Zusammen mit Heinrich, dem Fels in Deinem Leben, habt Ihr Euch sehr an diesen drei Buben gefreut.

Seit vor sechs Jahren Heinrich, Dein Fels, verstorben ist, hattest Du es nicht immer einfach. Überrascht hast Du aber auch jetzt noch. Zusätzlich zu Deinen bestehenden Beziehungen hast Du in Brig einen kleinen Kreis an engen Freundinnen bekommen. Sie alle haben Dir, zusammen mit Deinen lieben Verwandten, in der letzten Zeit geholfen und immer fest zu Dir gehalten.

Als ich am Dienstag hier in Brig in der leeren Pfarrkirche war, wurde ich einmal mehr vom Grundgedanken des Architekten überrascht: Blicken wir nach vorne, zieht es uns Besucher hier im Innern der Kirche nach oben. Ich denke, auch Dich, liebe Heidi, zieht es jetzt nach oben. In Deinem Häuschen oben auf der Alp hast Du den Text des Liedes La haut sur la montagne aufgeschrieben und aufgehängt. Dein Schwiegersohn Matthis möchte Dich nun zusammen mit meiner Freundin Lisette Stoffel an der Orgel mit diesem Lied La haut sur la montagne überraschen. Sie möchten Dich mit dieser Melodie auf Deinem Weg nach oben begleiten.

Liebe Mama, vielen Dank für alles.